Archive for the ‘Reisen’ Category

Madeira – Tag 7 (Montag)

Dienstag, April 2nd, 2013

Zum Abschluss des Urlaubs genehmigen wir uns noch eine kurze Levadawanderung. Das Straßenschild ist übrigens ein schönes Beispiel für die bemalten Fliesen, die man hier oft sieht:

Die Bäume am Anfang des Weges sind auf einer Seite geschwärzt. Letzen Sommer soll es laut Medienberichten in Madeira Waldbrände gegeben haben, möglicherweise sind das noch die Nachwirkungen.

Einiges blüht schon — eine gute Gelegenheit, den “Blumenmodus” der Digicam auszuprobieren.

Am Ende der Wanderung kehren wir im Cafe ein. Dies ist eine madeirische Spezialität, der Ochsenspieß (Espetada):

Ich möchte anmerken, dass hier schon ein Stück fehlt (es waren fünf Medaillons), und dass es sich hierbei um eine Portion für eine Person handelt. Wir haben vor ein paar Tagen diesen Spieß auch schon mit Hühnerfleisch probiert und sind auch da zu zweit mit einer Portion mehr als satt geworden. Eine beliebte Beilage sind hier übrigens Milho frito — frittierte Maiswürfel. Sehr lecker und erinnern ein wenig an Polenta.

Madeira – Tag 8 (Dienstag)

Dienstag, April 2nd, 2013

Abreisetag.

Erlaube mir, lieber Leser, kurz vom Urlaubsbericht abzuschweifen und über Warteschlangentheorie zu reden. Nehmen wir an, wir haben auf der einen Seite eine gewisse Anzahl Kunden, die bedient werden wollen (z.B. Leute an der Supermarktkassa oder Reisende beim Einchecken am Flughafen) und auf der anderen Seite eine gewisse Anzahl Bediener, sich um diese Kunden kümmern können (z.B. die Supermarkt-Kassiererinnen oder die Check-In-Schalter).

Nun gibt es prinzipiell zwei weit verbreitete Systeme, die ich II-System und Y-System nennen möchte: Beim II-System bildet sich vor jedem der Bediener eine eigene Warteschlange. Beim Y-System bildet sich nur eine Schlange. Sobald ein Bediener frei wird, geht der nächste Kunde zu diesem.

Die Schlange im Y-System mag vielleicht auf den ersten Blick länger wirken als die mehreren kurzen im II-System, aber sobald man ein wenig darüber nachdenkt, stellt man fest, dass der Durchsatz (die Anzahl bedienter Kunden pro Zeiteinheit) genau gleich ist, das Y-System darüber hinaus aber eine Reihe offensichtlicher sozialer Vorteile hat (kein Anstellen an der “falschen” Schlange; kein “Überholen” durch Schlangenwechsel; kein “Wettlauf”, wenn eine neue Kassa geöffnet wird; etc.). All das trägt sehr zur Stressvermeidung bei.

Warum erzähle ich das? Wir sind zu früh am Flughafen, geben unseren “Ferrari” zurück und sehen, dass Schalter 30-31 für den Check-In nach Wien zuständig sind. Das Bodenpersonal ist noch nicht da, und etwas wunderbares geschieht: Die Wartenden, eine inhomogene und unkoordinierte Masse von Leuten, machen etwas kluges! Es bildet sich nämlich eine Schlange (nur eine, zwischen Schaltern 30-31, was, wie oben angeführt, dem Y-System entspricht und daher eine gute Idee ist). Weiters stellen die Leute ihre Koffer in die Schlange und setzen sich auf die wenige Meter entfernten Sessel. Eine weitere gute Idee: Stehen ist mühsam, und mit dem Koffer markiert man den Platz. Ein wunderbares Beispiel dafür, wozu eine Menschenmasse fähig ist, wenn die Leute mitdenken.

Und dann kommt eine Air-Berlin-Mitarbeiterin und macht alles kaputt.

“Bilden Sie bitte zwei Schlangen”, ruft sie. Die Leute springen auf, der “Wettlauf um die besten Plätze in der zweiten Schlange” beginnt. Die schöne, geordnete Reihe wird zu einem Durcheinander. Die Mitarbeiterin lächelt zufrieden und macht freundliche Bemerkungen. Schalter 30 und 31 werden vom Bodenpersonal besetzt. Ich muss wohl nicht erwähnen, was passierte, als plötzliche jemand zu Schalter 32 schreitet und das Display oben einschaltet. Verwirrung, manche stürmen nach vorne, es bildet sich eine dritte Schlange. Die Angst steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Wird am Display das Wort “Wien” erscheinen? Oder haben sie gerade ihren guten Platz in den Schlangen 30 und 31 aufgegeben, um einem Gespenst nachzujagen? Bange Minuten des Wartens, dann Entwarnung: Auch Schalter 32 dient dem Check-In nach Wien. Auch die anderen Displays gehen an, am Schalter 30 mit dem Text “only Baggage Drop-Off”. Nun macht sich leichte Verunsicherung in der dortigen Schlange breit…

Das es anders auch geht, sehen wir später im Abflugbereich. Der dortige Imbiss macht es klüger und hat folgendes Schild aufgestellt:

Mit Verspätung fliegen wir ab, in Wien begrüßt uns der Schnee. Wir sind zurück!

Madeira – Tag 6 (Sonntag)

Sonntag, März 24th, 2013

Bestes Wanderwetter, also fahren wir nach Queimadas, um von dort zum Caldeirão Verde zu spazieren. Unterwegs kommen wir am Flughafen vorbei und Xandi macht einen Schnappschuss der Landebahn, die über die Schnellstraße ragt.

In Queimadas gibt es die typischen, strohbedeckten Santana-Häuser:

Vorausschauend haben wir eine Taschenlampe mitgenommen, denn der Wanderweg führt durch unbeleuchtete Höhlen. Feucht wird’s auch, denn manche Wasserfälle enden direkt auf dem Weg.

Danach kehren wir an einem guten Ausflugsrestaurant an der Nordküste ein, natürlich gibt’s auch hier Berge.

Madeira – Tag 5 (Samstag)

Sonntag, März 24th, 2013

Heute wird’s bewölkt, daher unterbrechen wir unseren Wanderurlaub mit einem Besuch in Funchal, Madeiras Hauptstadt. Bevor wir uns in die Stadt stürzen, halten wir in “Blandy’s Garden”, einer Mischung aus englischem Privatpark und botanischem Garten. Im März blüht noch nicht alles, was blühen soll, aber ein netter Spaziergang war’s trotzdem.

Funchal selbst war nett, die Uferpromenade jedoch eine Baustelle und das Mittagessen im Touristenlokal eher enttäuschend (im Gegensatz zu den leckeren Restaurants in der Nähe unseres Hotels).

In der Markthalle gibt es nicht nur frischen Fisch, auch Bananenstaudensetzlinge und ähnliches Grünzeug werden angeboten. Die würden unseren Winter wahrscheinlich eh nicht überleben.

Madeira – Tag 4 (Freitag)

Sonntag, März 24th, 2013

Heute folgen wir zwei Levada-Wegen: Wir gehen entlang der Kanäle, die angelegt wurden, um das Wasser aus dem niederschlagsreichen Norden zu den Feldern des Südens zu transportieren. Dazu fahren wir zuerst auf die Hochebene im Zentrum der Insel, wir quälen also unseren Mietwagen von Meeresniveau auf über tausend Höhenmeter.

Auch hier Naturschutzgebiet; ein Pendelbus bringt uns vom Parkplatz in den Wald. Mit knappen fünfzehn Kilometern spazieren wir heute etwas länger, werden dafür mit einigen Wasserfällen belohnt (Levada do Risco und Levada das 25 Fontes).

Manchmal fließen die Kanäle auch über:

Die Wege sind oft schmal…

…und bei Gegenverkehr muss man kreativ werden:

Dafür gibt es einiges zu sehen:

Bei der Rückfahrt nehmen wir die Küstenstraße: Auf und ab, links von uns Felsen, rechts die Klippe und das Meer. Das ist so aufregend, wie es klingt, vor allem, wenn an einer Stelle oben links aus dem Felsen ein Wasserfall mitten auf die Straße hinabregnet. Gut, dass wir kein Cabrio haben!

Madeira – Tag 3 (Donnerstag)

Sonntag, März 24th, 2013

Es ist uns schon gestern aufgefallen: Am Frühstücksbuffet hört man Sprachen aus aller Herren Länder. Bairisch, Schwäbisch, Norddeutsch, usw. Nach einiger Zeit verzichtet man, auch bei den Wanderungen, auf das “Bom Dia” und kehrt zum “Guten Morgen” zurück. Einheimische sind auf den Wanderwegen eh in der Minderzahl.

Am Nordost-Zipfel von Madeira gibt es eine einsame, karge Gegend, in der links und rechts der Atlantik braust (Ponta de São Lourenço).

Es stürmt und vom Regen, der gerade über Madeira zieht, bekommen wir glücklicherweise nur vereinzelte Tropfen ab. Die Naturparkhütte am Ende des Weges ist leider nicht bewirtschaftet; da weiß man wenigstens, warum man mit vollem Rucksack unterwegs ist.

Madeira – Tag 2 (Mittwoch)

Sonntag, März 24th, 2013

Es heißt ja, man lernt aus Fehlern.

Fehler 1: Bei uns im Hotel ist es sonnig und warm, also lassen wir die Regenjacke daheim. Wir lernen: Madeira hat viele Berge und Täler, daher kann es zwanzig Kilometer weiter ganz anders aussehen.

Fehler 2: Mein iPhone hat Navigon Europe drauf, also brauchen wir keine Karte. Wir lernen:
A. Der GPS-Chip vom iPhone ist ein Klumpert, das öfters mal ein paar Meter daneben liegt.
B. Ein paar Meter links oder rechts bedeuten in Madeira meistens auch ein paar Meter weiter oben oder unten. Es gibt hier keine geraden Flächen. Ja, die Schnellstraße ist größtenteils gerade, was daran liegt, dass diese ausschließlich aus Tunnels und Brücken besteht.
C. Das Navi versucht uns zu helfen, und schickt uns auf den schnellsten und gleichzeitig kürzesten Weg, sprich: nicht die bequeme, langweilige, vermutlich für die Touristen angelegte Serpentinenstraße, sondern den direkten, geraden Weg — ich wusste gar nicht, dass man Straßen mit solcher Steigung befahren kann! Nun, die Einheimischen fahren hier auch, aber irgendwann bekommen wir Mitleid mit unserem Wagen, den wir mit dem ersten Gang da die Höhenmeter hinauf quälen müssen, packen das Navi weg und folgen den Pfeilen und dem Gefühl. Funktioniert besser und spart Nerven.

Die Wanderung selbst — man will’s ja am ersten Tag nicht übertreiben — beginnt an der Kirche, in deren Seitenschiff Karl, der der letzte Kaiser Österreichs, begraben liegt. Wir steigen den Wanderweg hinauf zur Friedens-Marienstatue und werden mit einem tollen Blick über Funcal belohnt. Das am Ende des Weges versprochene Restaurant hat leider geschlossen (möglicherweise, weil noch “Winter” ist), daher muss unser Proviant dran glauben.

Die Stufen am Wanderweg sind übrigens abgerundet, was dem Reiseführer zufolge daran liegt, dass der Transport hier früher mit Schlitten erfolgte. Ein paar davon gibt es noch, allerdings nur noch zu touristischen Zwecken.

Madeira – Tag 1 (Dienstag)

Sonntag, März 24th, 2013

Die Landebahn ist halb ins Meer gebaut. Man sieht nur Wasser, wundert sich, warum das Flugzeug so tief fliegt, und plötzlich sind wir da – in Madeira. Sonnenschein, blauer Himmel und angenehme Temperatur. Der Bus holt uns vom Flugzeug ab und lässt uns ein paar Meter weiter vor dem Terminal wieder raus. Das hätten wir schneller auch zu Fuß haben können, doch der Flughafen will wohl sicherstellen, dass keine Passagiere irgendwo am Flugfeld herumwandern.

Das ist unser “Ferrari”, wie in freundliche Herr von der Autovermietung vorstellt. Überhaupt sind hier auf der Insel fast alle Autos von ähnlicher Statur – klein und wendig. Man hat den Eindruck, jeder zweite Wagen ist ein Renault oder Fiat.

Unser Zimmer hat einen Balkon, ist geräumig, komfortabel und blickt auf den Atlantik.

Stockholm – Teil 2

Sonntag, Mai 29th, 2011

Der letzte volle Tag bricht an. Das erste Ziel, den Ericsson Globe, erreichen wir nach einem kleinen Umweg (die benötigte U-Bahn-Linie war gesperrt). Der Globe ist eine halbkugelförmige Veranstaltungshalle, auf deren höchsten Punkt man mit einer kleineren Kugel über eine Art Standseilbahn hinauffahren kann.

Dann ging’s ab in den Süden, und zwar mit dem Regionalzug in den Vorort Södertalje, in dem sich Tom Tits Experiment befindet. Das ist nichts unanständiges, sondern eine Ausstellung, die laut Homepage genau für unsere Altersgruppe gemacht ist: Kinder von 2 bis 102.

Eigentlich war geplant, dort ein paar Stunden zu verbringen und dann wieder nach Stockholm zu fahren, doch wir verließen das Anwesen erst, als uns eine freundliche Lautsprecherstimme darauf hinwies, dass das Museum in einer Viertelstunde schließt. Was gab’s zu sehen bzw. auszuprobieren? Im Grunde war es ein großer Spielplatz mit naturwissenschaftlich-technischem Fokus: Luftdruckraketen, optische Täuschungen, Rätsel, Windmaschine, Spiegelkabinett, usw. Man kann sich den “Ausprobierteil” eines technischen Museums vorstellen, ausgedehnt auf vier Stockwerke.

Und nun noch eine Kuriosität zum Schluss: Der Linienbus bei unserem Hotel fährt nicht nur nach Fahrplan sondern auch nach Telefonplan.

Stockholm – Teil 1

Samstag, Mai 28th, 2011

Das Fernweh ruft. Mitte Mai bekamen Xandi und ich Lust, einen Kurzurlaub einzulegen und irgendeine interessante Stadt zu besichtigen. Bei Flyniki fanden wir ein gutes, kurzfristiges und günstiges Angebot, und so sitzen wir nun in Stockholm.

Letzten Donnerstag kamen wir nach einem ereignislosen Flug an (die Aschewolke hatte sich glücklicherweise wieder rechtzeitig aus Nordeuropa verzogen) und besorgten uns eine Stockholm Card (inkludiert freie Fahrt mit den Öffis und Eintritt in einen Haufen Museen). Das Gepäck beim Hauptbahnhof verstaut, ließen wir den ersten Tag mit einem Spaziergang durch die Altstadt ausklingen. Unser Hotel liegt ein wenig außerhalb, ist aber über den Pendeltåg bestens angebunden, sauber und komfortabel, und hat ein großartiges Frühstücksbuffet (und für den kostenbewusst Reisenden gibt es einen Supermarkt in Gehweite ;-) ).

Die Stockholm Card will ausgenutzt sein, also legten wir am Freitag los: Im Königlichen Münzmuseum finden wir verschiedenste Münzen und Geldscheine, wie z.B. auch einen 5-Billionen-Mark-Schein (jaja, die Hyperinflation der Weimarer Republik). Nächster Stopp war das Ritterhaus, eine positive Überraschung: Der große Saal war voller Wappen des schwedischen Adels – das erinnert einen wieder daran, dass Schweden eigentlich eine Monarchie ist. Nach Besichtigung der Riddarholmskirche und einem Mittagsmenü in der Altstadt fahren wir mit dem Hop-On-Hop-Off-Sightseeing-Boot…

Moewen

…und besuchen auf der Halbinsel Djurgården das Kindermuseum Junibacken, das einen durch die Märchen Astrid Lindgrens führt.

Junibacken

Technisch interessant war die Fahrt mit der Märchenbahn: Der Wagon ist an Schienen oben befestigt und kann in die Luft gehoben werden.

Danach war das Vasa-Museum dran: Das Kriegsschiff Vasa ist 1628 bei der Jungfernfahrt gesunken – 20 Minuten, nachdem es den Hafen verlassen hat (muss für den Baumeister recht peinlich gewesen sein). Das Schiff wurde in den 1960-er Jahren geborgen und kann seitdem besichtigt werden. Angenehm: Sobald man im Museum ist, kann man das Handy ins WLAN verbinden und den Audioguide herunterladen. Da wir von dem ereignisreichen Tag eh schon etwas müde waren, haben wir es uns mit Blick auf das Schiff gemütlich gemacht und den Guide angehört.

Den heutigen Samstag begannen wir mit der Königlichen Schatzkammer: eher klein, verglichen mit der in Wien, aber trotzdem voller schöner Reichsinsignien. Danach wollten wir die Öffis zum technischen Museum nehmen, doch der Stockholm-Marathon machte uns einen Strich durch die Rechnung: Bus und Straßenbahn fielen aus, und am Touristenboot war kein Platz mehr – also wurde es ein Spaziergang. Dabei bekommt man wenigstens etwas zu sehen, zum Beispiel die Marathon-Läufer oder ein Segway-Polo-Match:

SegwayPolo

Das Museum hatte ein gutes Café (natürlich stilecht mit Köttbullar als Mittagsmenü), und ich verbrachte ein wenig mehr Zeit in der Computerabteilung als geplant: Beim ausgestellten C64 überkamen mich nostalgische Gefühle; und an den Klassikern Pong, Space Invaders und Pac-Man darf man natürlich auch nicht einfach vorbeigehen.

Am Nachmittag waren die fleißigen Läufer immer noch unterwegs, d.h. auch den Rückweg durften wir zu Fuß zurücklegen. Da wir danach immer noch nicht genug Bewegung hatten, stand als nächstes Skansen auf dem Programm, ein Freilichtmuseum mit rekonstruierten alten schwedischen Gebäuden und vielen Tieren.

Haus

Rentiere

Skansen hat 300.000 m², d.h. wir haben wieder einige Meter zurückgelegt. Anscheinend macht sich das auch bemerkbar:

Müde

Am Rückweg machen wir einen kleinen Umweg durch Gröna Lund, den hiesigen Vergnügungspark, bevor wir erschöpft ins Hotel zurückkehren.