Archive for Oktober, 2010

Rom – dritter Tag

Sonntag, Oktober 31st, 2010

Wie bekommt man an einem sonnigen Samstag eine Tour durch den Vatikan, ohne sich die Beine in den Bauch warten zu müssen? Man kauft die Karten inklusive Führung vorab online, kommt erst ein paar Minuten vor Beginn der Führung im Vatikan an (da man den Pass vergessen hat und nochmal rasch zurück ins Hotel musste), sagt dem Wächter, der einen zur “Warteschlange für die Leute mit Reservierung” schicken möchte, dass das nicht geht, da die Führung in drei Minuten losgeht, und wird dann, an den Wartenden vorbei, hineingeschleust. Sehr angenehm.

Die Sammlungen der vatikanischen Museen sind beeindruckend: antike Büsten, Statuen, christliche Wandteppiche, Gemälde, Wandmalereien und vieles mehr. Habe ich schon erwähnt, dass aus dem Rom der Antike hauptsächlich die Gebäude überlebt haben, die als christliche Kirchen wiederverwendet werden konnten? Dieses Bild, an der Decke im Museum gefunden, symbolisiert das recht schön:

Auch die Schlacht am Kahlenberg, die 1683 die zweite Wiener Türkenbelagerung beendete, wurde hier verewigt:

Und wenn wir schon beim Thema “Schlacht um Wien” sind: Einen Wandteppich, auf dem es so aussieht, als würde Jesus drei Bier bestellen, gibt es natürlich auch. :-)

Weiter geht’s in die Sixtinische Kapelle, in der Michelangelos Gott Adam zum Leben erweckt. Hiervon gibt’s keine eigenen Bilder, da wir uns (im Gegensatz zu vielen der anderen Touristen — die Kapelle war randvoll) an das dortige Fotografierverbot gehalten haben.

Durch einen unscheinbaren Gang, der mit “for guided tours only” markiert ist, gelangen wir — wieder unter Umgehung der Warteschlange — zum Petersdom, klettern die ca. 500 Stufen hinauf und werden mit einem tollen Rundblick über Rom belohnt:

Am Weg hinunter kaufen wir ein paar Postkarten und Marken, da die vatikanische Post (laut unserem Reiseführer) zuverlässiger ist als die italienische. Der Petersdom ist sowohl von innen als auch von außen riesig und in vielerlei Hinsicht beeindruckend.

Zurück auf italienischem Staatsgebiet darf das obligate tägliche Eis natürlich nicht fehlen: Es ist schon etwas kühler und wir essen nur noch zu zweit…

Die Engelsburg ist in der Nähe, hat allerdings ob der vorgerückten Stunde nur noch kurz offen, weshalb wir den Besuch auf später verschieben. Bei einem ausgedehntem Spaziergang kommen uns Leute im Schutzanzug entgegen, in der Hand Lautsprecher, die unangenehme Vogelschreie von sich geben. Ziel dieser Aktion ist offenbar, die über dem Gebiet kreisenden Vogelschwärme zu vertreiben.

Zum Abendessen folgen wir der Empfehlung des Reiseführers und lenken unsere Schritte in Richtung “Da Vito e Dina”. Ein stämmiger Italiener fängt uns vor dem Eingang ab, stellt sich als “Mafiosi Vito Corleone” vor (falls ich ihn mit meinen bescheidenen Italienischkenntnissen richtig verstanden habe), nimmt mir den Reiseführer aus der Hand, um uns stolz zu zeigen, dass er weiß, wo darin sein Restaurant erwähnt wird, und geleitet uns wortreich hinein. Die Küche (wir hatten Risotto di Salmone, Pizza alla Diavolo und Calzone al Forno, danach Tiramisu und Panna Cotta) ist ausgezeichnet, der Wein gut, die Bedienung charmant und der Preis vollkommen in Ordnung. Das war definitiv bis jetzt unser kulinarisches Highlight in Rom.

Rom – zweiter Tag

Samstag, Oktober 30th, 2010

Am Weg zum Kolosseum treffen wir auf das Institut für Ingenieurwissenschaften und nutzen die Gelegenheit, uns unter die Einheimischen zu mischen und — si fueris Romae, Romano vivito more — im Innenhof des Universitätsgebäudes Panini zu speisen. So ein netter Innenhof würde unserer TU Wien eigentlich auch nicht schaden…


Weiter geht’s zu unserem eigentlichen Ziel, dem Kolosseum. An der Stelle möchte ich einen wertvoller Tipp aus unserem Reiseführer weitergeben: Wer sich die Schlange ersparen will, kauft sich die Eintrittskarte nicht hier (lange Schlage) sondern das Kombiticket beim Forum Romanum (kurze Schlange). Glücklicherweise haben wir das gestern getan.

Graffiti (damals halt in Stein eingraviert), sechsseitige Würfel, mit denen um Geld gespielt wurde, und Alkoholregulierung, um Ausschreitungen zu vermeiden, gab es damals im Kolosseum übrigens auch schon. Je mehr man sich mit dem römischen Reich der Antike beschäftigt, um so klarer sieht man, dass wir uns von den Menschen damals eigentlich kaum unterscheiden. Unser nächster erklommener Hügel war das Kapitol

…und da das Wetter immer noch sonnig und warm war (zumindest verglichen mit Wien) musste auf einer Tiberbrücke natürlich das nächste Eis daran glauben.

Der Abend naht. Was nun? Im Reiseführer stoßen wir auf eine Ausgrabungsstätte — die Area Sacra — an der sich viele streunende Katzen tummeln sollen. Die Katzenfans Ali und ich (und Alex, der allerdings meint, auch Hunde zu mögen) sehen uns das natürlich an. Die Area Sacra heißt übrigens so, weil dort die Fundamente vier antiker Tempel ausgegraben wurden, die von den Archäologen mangels weiterer Informationen einfach Tempel A bis D getauft wurden.

Katzen sehen wir dort tatsächlich ein paar. Geht man ein paar Treppen zu den Ruinen hinunter, führt ein Gang in einen kleinen, geduckten Raum unter der Straße, in dem ein paar Freiwillige die Katzen füttern, gesund pflegen (falls möglich) und ein neues Heim für sie suchen.


Kirchen wie in Rom findet man auch in anderen großen Städten… allerdings gibt es dort normalerweise maximal eine oder zwei solche, und diese zählt dann zu den Hauptattraktionen der entsprechenden Stadt. Hier im Zentrum Roms hingegen hat man das Gefühl, jede zweite Straßenecke über ein solch beeindruckendes Bauwerk zu stolpern. Eine besonders hübsche Decke, die sehr zur abendlichen Stimmung gepasst hat, zeigt die Basilika Santa Maria sopra Minerva.

Schließlich kamen wir im Pantheon an, dem am besten erhaltenen Bauwerk der römischen Antike. Wie viele andere römische Bauwerke auch hat es die Zeit bis heute hauptsächlich dadurch überlebt, dass es irgendwann zu einer christlichen Kirche umgeweiht wurde.

Nach einem eher enttäuschenden Abendessen (Alis Spaghetti sind ein wenig zu bißfest und Alex übersieht das Wörtchen “intestines” in der Beschreibung des von ihm bestellten Kalbfleisch-Gerichts) sehen wir uns noch die Spanische Treppe an.

Kurz nach unserer Ankunft stellen ein paar Leute ein Kreuz auf der Treppe auf und beginnen, freudig und enthusiastisch, christliche Lobgesänge anzustimmen. Es handelt sich dabei um das Weltjugendtagskreuz und eine recht international gemischte Gruppe junger Leute. Es wird recht frisch; Alex und ich folgen der Gruppe, die sich in die Kirche oberhalb der Spanischen Treppe zurückzieht, um noch ein wenig zu singen und zu beten, und sich dann auflöst. Die jungen Leute kehren in ihr Hotel beim Vatikan zurück und wir in unseres bei Bahnhof Termini.

Rom – erster Tag

Donnerstag, Oktober 28th, 2010

Stilecht hat unser Flug natürlich eine halbe Stunde Verspätung und Alex, Ali und ich kommen erst nach 8 Uhr Früh in Rom an. Abflug in in Wien: -1°C; die Tragflächen werden enteist. Mittagstemparatur in Rom: 17°C; für morgen sind 21°C angekündigt. Wir genehmigen uns ein Eis.

Auf dem Weg ins Zentrum treffen wir gleich aufs erste Highlight: Die Kirche Santa Maria Maggiore.

Am Nachmittag nehmen wir uns das Forum Romanum inklusive Palatin vor und kommen drauf, dass die zwei Stunden, die wir dafür veranschlagt haben, viel zu wenig sind. Das Forum zu sehen ist großartig; endlich kann ich die Schauplätze meiner SPQR-Romane ihren realen Vorbildern zuordnen. Der Audioguide, den wir am Eingang erhalten, hat einige interessante Geschichten auf Lager, ist aber zur Erkundung des Forums nicht wirklich geeignet, da die Ortsangaben (“links sehen Sie… rechts sehen Sie…”) sehr vage sind und man nicht immer weiß, welcher der Steinhaufen nun genau gemeint ist.

Ach ja, ein Besuch beim Trevi-Brunnen inklusive dem obligatorischen Münzwurf darf natürlich auch nicht fehlen:

Zum Abendessen suchen wir uns aus dem Reiseführer ein empfohlenes Fischlokal heraus (und treffen auf dem Weg dorthin zufällig aufs Pantheon, dass leider 10 Minuten nach unserer Ankunft für heute geschlossen wurde) und stellen erfreut fest, dass dort gerade “Happy Hour” mit Vorspeisenbuffet ist. Gut gesättigt und eine Flasche ausgezeichneten Weins später geht es heim in die Unterkunft — klein, aber sauber, gepflegt und mit freundlicher Bedienung. Für morgen wurde uns bereits ein größeres Appartment versprochen.

Mein 3-Daten-Stick mit 3-Like-Home funktoniert bestens und ich mache mich an’s Mails lesen und bloggen, während meine Gefährten nach wenigen Minuten einschlafen.

(Alle Bilder (c) Alex, bis auf das eine, wo er auch drauf ist — das stammt von einem unbekannten, hilfsbereiten Italiener.)