Archive for November, 2010

Rom – sechster Tag

Mittwoch, November 3rd, 2010

Der letzte Tag in Rom bricht an. Wir räumen das Zimmer und spazieren in Richtung Circus Maximus, der mit Militärgerät gefüllt ist: Schnellboote der Guardia di Finanza, Fahrzeuge der Carabinieri, Hubschrauber und Panzer; offenbar bereitet man sich auf den Tag der Streitkräfte am 4. November vor.

Vorbei am Mund der Wahrheit kommen wir zu den Caracalla-Thermen.

Zum Mittagessen überqueren wir einmal mehr den Aventin, diesmal bei Tageslicht, und kehren, einer weiteren Reiseführerempfehlung folgend, im “Da Oio a Casa mia” am Testaccio ein. Das Essen und der Wein schmecken ausgezeichnet; die Bedienung war allerdings dermaßen unmotiviert, dass wir, nach mehreren Versuchen, es zu bestellen, das geplante Dessert ausfallen lassen.

Mit der U-Bahn geht’s zurück ins Zentrum, wo sich Alex den Mantel zulegt, den er schon seit ein paar Tagen kaufen möchte, und wir auf der Piazza Navona das letzte römische Eis genießen.

Gemütlich spazieren wir ins Hotel zurück, wo unser Gepäck auf uns wartet, und verabschieden uns von unserer herzlichen Gastgeberin (Tipp: Hotel Margot, mit der Google-Suche hotel margot rome über verschiedene Webseiten buchbar). Kamerakind Alex ist im Hintergrund im Spiegel erkennbar.

Mit dem “Bus Shuttle” fahren wir vom Bahnhof Roma Termini zum Flughafen und stellen fest, dass der Zettel mit den Abfahrtszeiten, den wir von der Busfirma bei der Ankunft in Rom erhalten haben, nicht stimmt, und das die Laune des Busfahrers zu wünschen übrig lässt. Der Rückflug hat Verspätung, und wir erreichen mit Müh und Not (Ali und ich halten die Schnellbahn auf während Alex Fahrkarten kauft) die letzte Schnellbahn nach Wien.

Es ist inzwischen kurz vor ein Uhr nachts, und wir erreichen das Autohaus, das sich während unserer Abwesenheit um das Service von Alexs Firmenwagen gekümmert hat. Mit Bankomatkarte und einem Code holt er sich den Autoschlüssel aus dem unbemannten Foyer (auch mir war neu, dass das geht) und wir laden unser Gepäck ein. In der Zwischenzeit bemerken wir einen Polizeiwagen, der langsam in der angrenzenden Straße vorbeifährt, uns sieht, den Retourgang einlegt und hinter einer Mauer verschwindet. Wir fahren los und, wie erwartet, geht ein paar Meter weiter hinter uns das Blaulicht an.

Offenbar war auch den Polizisten neu, dass man ein Auto um diese nachtschlafene Zeit abholen kann, doch nach den üblichen Fragen (Fahrzeugkontrolle, Führerschein, Zulassung, Haben Sie etwas getrunken?) und Alexs Erklärung, wie wir gerade an das Auto gekommen sind, dürfen wir den Heimweg fortsetzen.

(Das war’s; danke für’s Lesen! Wir schon erwähnt: © der meisten Fotos by Alex.)

Rom – fünfter Tag

Dienstag, November 2nd, 2010

“Wo sind wir?” “Keine Ahnung, diese Straße ist mal wieder nicht eingezeichnet!” Die Karte ist vom Regen vollkommen durchnässt, ich schwitze in meinem zu dicken Wintermantel, doch wir kämpfen uns weiter. Schließlich erreichen wir unser Ziel, ein Hotel am Rande des Vatikans. Alex und ich fahren in den sechsten Stock und betreten eine kleine Kapelle, in der gerade eine Messe (mit lateinischen Gebeten und englischer Predigt) gefeiert wird.

Was war passiert? Vor drei Tagen hatten wir, wie hier im Blog berichtet, eine Gruppe junger Katholiken aus allen Teilen der Welt getroffen, die auf der Spanischen Treppe Lieder sangen. Wie sich später herausstellte, handelte es sich dabei um die Teilnehmer der Emmanuel School of Mission, mit denen wir uns damals gut unterhielten und die uns im Anschluss zu ihrer Allerheiligenmesse einluden. So begannen wir den heutigen Tag spirituell und genossen danach beim Mittagessen noch die herzliche Gastfreundschaft der Missionsschüler.

Wieder vereint mit Ali führte unser nächster Spaziergang zur Engelsburg, einem ehemaligen römischen Mausoleum, das später von den Päpsten als Burg verwendet wurde.

Darin befindet sich, neben der abgebildeten antiken Rampe und den Befestigungsanlagen, eine Ausstellung über Giuseppe Garibaldi, der von den Italienern anscheinend tief verehrt wird. Nun verstehe ich, warum nahezu jede italienische Stadt, die ich bisher gesehen habe, einen Piazza Garibaldi hat…

Da dies unser letztes Abendessen in Rom ist, wollen wir kein Risiko eingehen, kehren wieder bei Don Vito ein (siehe Rom – dritter Tag) und lassen den Tag bei einem üppigen Essen und einem netten Gespräch mit zwei französischen Touristinnen ausklingen. Letzteres war übrigens gar nicht so einfach, da der Grundsatz “Es spricht ja eh jeder Englisch”, der zumindest zu Mittag noch bestens funktioniert hat (siehe oben), hier versagte. Obwohl wir keine gemeinsame Sprache finden konnten, die wirklich alle von uns verstanden, gab es doch zumindest Überschneidungen, sodass wir uns mit Kombinationen aus Französisch, Spanisch, Deutsch und Englisch verständlich machen konnten. Geht ja doch!

Rom – vierter Tag

Montag, November 1st, 2010

Wir schlafen aus und verlassen das Hotel zu Mittag (um die Geduld des Zimmerservice-Personals, das schon wartet, nicht noch länger auf die Probe zu stellen). Erster Programmpunkt ist das Nationalmonument, das uns durch seine Höhe in den letzten Tagen schon öfters als markanter Bezugspunkt aufgefallen ist. Die dort befindliche Reiterstatue von Viktor Emanuel II. ist mit Personifikationen der italienischen Städte dekoriert, und Ali freute sich, auch seine Geburtsstadt Genua dort zu finden:

Nachdem ich auf den dortigen Carabiniere längere Zeit auf italienisch eingeredet habe, erlaubt er Alex, in den abgesperrten Bereich zu gehen, um — von wissenschaftlichem Eifer getrieben — alle Personifikationen (also die Stein-Damen) abzulichten. Aufs Monument kann man auch raufgehen und hat einen ganz guten Blick über Rom (allerdings nicht so toll wie auf dem Petersdom). Auch das darin befindliche Militärmuseum besuchen wir.

Nach einem Umweg durch ein paar Kirchen und den Bezirk Trastevere, also die andere Seite des Tibers, wo wir ein paar ganz passable Nachmittagsnudeln einnehmen, kommen wir zurück zum Kapitol, um die Kapitolinischen Museen zu besuchen. Vor den Museen, also mitten am Kapitolsplatz, stellte ein Sammler ein paar schöne alte Autos aus:

Wieder was gelernt: Zwei Stunden sind für die kapitolinischen Museen viel zu kurz. Natürlich gibt es viele kulturelle Highlights…

…sowie auch technisch interessante Erfahrungen: Die Besucher-PCs, auf denen man sich die Pläne des alten Kaptiols ansehen kann, haben nur den Bildschirm und die Maus zugänglich, und der Admin glaubte offenbar, dass ein IE im Kiosk-Modus und ein “Rechtsklick-mit-Javascript-deaktivieren” ausreicht, um den Rechner zu schützen. Nun ja, einen Explorer zu öffnen war eine Sache von einer halben Minute, und ja, der angemeldete Benutzer hätte Administratorrechte gehabt…

Oh, und bevor ich’s vergesse: Das heutige Eisbild (war nicht im Museum).

Als man uns aus dem schließenden Museum schmeißt machen wir uns auf den Rückweg nach Trastevere, dem wir noch eine zweite kulinarische Chance geben wollen und das Abends deutlich belebter ist. Gestern, im “Da Vito e Dina”, war ein amerikanischer Zeitungsausschnitt aufgehängt, in dem neben dem Vito e Dina auch das “Cacio e Pepe”, beworben wurde… und genau daran stolpern wir zufällig in Trastevere vorbei (dank Alex, der sich den Namen gemerkt und, im Gegensatz zu mir, die Nase nicht nur im Reiseführer hat). Die haugemachten Nudeln sind ausgezeichnet, der Wein ebenso, die Bedienung gestresst.

Nachdem die Erforschung des römischen Nachtlebens gestern kläglich scheiterte — die vom Reiseführer erwähnte Diskothek hatte offenbar schon ihre Pforten dauerhaft geschlossen — haben wir uns heute besser informiert und machen, nach einer kurzen nächtlichen Wanderung über den Aventin inklusive Blick durch Schlüsselloch des Malteserordens, das Testaccio-Viertel unsicher.

Müde schleppen wir uns danach Richtung Hotel. Ein Nachtbus-Schild verspricht Linderung unserer schmerzenden Füße. Wir studieren es, erkennen, dass wir die Linie N2 brauchen, sehen die Rücklichter eines Autobusses N2, der in genau diesem Moment an unserer Haltestelle vorbefährt (da wir ihm nicht gewinkt haben) und nehmen den Marsch wieder auf. In freudiger Erwartung meines Bettes fasse ich den Vorsatz, heute nur einen kurzen Blogeintrag zu verfassen. Nun, wie es aussieht, ist es beim Vorsatz geblieben. :-) Gute Nacht.